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04.11.19 • Berlin Der emanzipierte Patient — wie man Technologie nutzerfreundlich einsetzt

Grafische Darstellung von Menschen und Apps

Wir können Menschen zur Teilnahme an der digitalen Medizin befähigen, indem wir ihnen die richtigen Tools an die Hand geben. Werkzeuge, die es ihnen leicht machen, relevante Informationen zu finden, zu verstehen und zu bewerten, um auf dieser Basis bewusste Entscheidungen zu treffen. Dazu müssen wir in der Lage sein, Anwendungen schnell zu entwickeln und die Nutzergruppen früh einzubinden. Apple ist auf diesem Weg ein Vorreiter.

Autorin: Katina Sostmann

Warum Apple? Die Lust an der eigenen Gesundheit

Das Thema Prävention erhält durch die Digitalisierung einen enormen Schub. Eine der wichtigsten Fragen in der Medizin ist die nach Möglichkeiten, Krankheitsverläufe besser zu verstehen, zu beeinflussen und sogar Erkrankungen vorzubeugen. Nie zuvor standen die Chancen dafür so gut, unter anderem durch Tools von Apple. Mit der App „Health“ und der Apple Watch hat der Konzern bereits ein medizinisches Ökosystem zum Data Tracking aufgebaut. Weltweit messen Menschen begeistert ihre Körperfunktionen, analysieren sie und verstehen immer besser, wie sie ihre Gesundheit selbst beeinflussen können.

Darüber hinaus stellt Apple mit den iOS Software Frameworks ein Toolset für die schnelle und einfache Entwicklung von Gesundheitsservices bereit. Der Konzern vertritt die Philosophie, dass möglichst viele Menschen von den Verbesserungen im Gesundheitsbereich profitieren sollen. Darum stellen Projektpartner Module, die sie mit den iOS-Tools entwickeln, open source. Sie stehen für die Entwicklercommunity bereit und jeder kann sie als Bausteine in neue Projekte integrieren. Genauso werden Wissen und Erkenntnisse aus der Forschung veröffentlicht, die mit Hilfe der Anwendungen für iPhone & Co. generiert werden. Apple Guidelines sind auf Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit hin optimiert.

Die Patienten-Journey — Technologie nutzerfreundlich einsetzen

Auch die auf iOS-Basis bereitstehenden Komponenten unterstützen digitale Anwendungen für die gesamte Patientenreise. HealthKit ermöglicht das Tracken von Gesundheitsdaten, CareKit dient dem Therapiemanagement und ResearchKit beinhaltet Komponenten zum Studiendesign und Einwilligungsmanagement für die Anwendung in der Forschung. Mit diesen Modulen lassen sich alle Services einfach umsetzen, die für die Begleitung der Patienten von der Prävention bis zur Kuration hilfreich sind. Für uns bringen sie den entscheidenden Vorteil, dass wir mit ihrer Hilfe in hohem Tempo nutzerzentrierte Services als Prototypen aufbauen, testen, realisieren und anbieten können.

Ein Beispiel für ein erfolgreiches Produkt auf Basis von iOS ResearchKit ist FocalView, eine App zur Überwachung von Augenkrankheiten, die Apple gemeinsam mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis entwickelt hat. Die App hilft Patienten mit Sehbehinderungen, den Verlauf ihrer Erkrankungen effektiver zu überwachen. Dazu sammelt sie Daten rund um die Sehkraft und wertet sie regelmäßig aus. Zusätzlich können Patienten ihre persönlichen Daten über die App für Forschungsprojekte zur Verfügung stellen.

Ein ähnliches Projekt ist aus der Kooperation zwischen IBM iX und dem Unternehmen AI4medicine, einer Ausgründung der Berliner Charité entstanden. Der HealthAdvisor ist eine App für die personalisierte Schlaganfallprävention auf der Basis von HealthKit, ResearchKit und CareKit. Die App richtet sich an Risikopatienten, die nach dem Krankenhausaufenthalt ihr Risiko für einen erneuten Schlaganfall aktiv minimieren wollen. Studien zeigen, dass 70% der Schlaganfälle durch die Anpassung des Lebensstils vermieden werden können. Die App sammelt nicht nur Gesundheitsdaten und errechnet daraus das aktuelle Risiko. Sie hilft Patienten, sich eigene, realistische Ziele zu setzen und ermöglicht ihnen so, ihre Gesundheit nach ihren individuellen Möglichkeiten zu verbessern. Darüber hinaus ermutigt die App Nutzer dazu, ihre Daten der Charité zur Verfügung zu stellen, um das KI-basierte Präventionsmodell zur Vorhersage von Schlaganfällen weiterzuentwickeln.

Paradigmenwechsel in der Forschung

Studien benötigen Daten. Je umfangreicher und je vielfältiger diese sind, umso aussagekräftiger und repräsentativer werden die Ergebnisse. Aus diesem Grund sind Apps wie HealthAdvisor und FocalView entstanden. Sie ergänzen die in Kliniken erhobenen Daten durch Alltagsdaten. Patienten bieten sie einen persönlichen Mehrwert dafür, dass sie ihre Gesundheitsdaten für Studien zur Verfügung stellen. Eine gute User Experience bedeutet an dieser Stelle, dass Patienten neben dem konkreten Alltagsmehrwert verstehen, dass es für sie von Vorteil ist, an Studien zu ihrer Erkrankung teilzunehmen: Weil sie selbst in Zukunft von der Weiterentwicklung der gesundheitlichen Versorgung profitieren.

Bleibt nur die Frage nach den Daten: Wem gehören sie? Und sind sie wirklich sicher?

Der emanzipierte Patient. Datenschutz in Gesundheits-Apps

Gerade in Deutschland sorgen sich viele potenzielle Nutzer um den Schutz ihrer Daten. Zurecht, denn niemand möchte, dass die eigene Krankengeschichte öffentlich wird. Doch muss mit der Digitalisierung zwangsläufig auch der gläserne Patient kommen? Datensicherheit wird in allen über iOS entwickelten Anwendungen sehr ernst genommen. Apples Datenschutzstandard ist konform mit dem bei uns in Deutschland. Mit dem Ergebnis, dass Patienten in allen Anwendungen immer die volle Kontrolle über ihre persönlichen Gesundheitsdaten behalten. Die Daten werden auf dem Gerät verschlüsselt gespeichert und Patienten entscheiden selbst, welche Informationen sie mit wem teilen möchten. Datensicherheit ist bereits im Design angelegt, Patienten stimmen jedem Datenaustausch aktiv zu — oder lehnen ihn ab.

Sichere digitale Gesundheitsprodukte haben das Potenzial, die Gesellschaft zu verändern: Statt gläserner Patienten, bringen sie emanzipierte Patienten — und eine neue, auf mehr Autonomie aufbauende, Gesundheitskultur. Mit wachsenden Entscheidungsbefugnissen nimmt auch das Verantwortungsbewusstsein zu. Patienten stehen im engen Austausch mit ihren Ärzten und können darum auch besser beurteilen, welche Studien sich für sie lohnen und am direkten Mehrwert der Ergebnisse teilhaben.

Co-Autorinnen: Yvonne Gruendler und Nilüfer Caliskan / IBM iX