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17.06.2020 • Berlin Über die Kraft nachhaltiger Transformation und Innovation

IBM iX Pattern

Gedanken zu einer verantwortungsvollen Umsetzung digitaler Projekte

Im Jahr 2004 wurde von der Europäischen Kommission eine Studie in Auftrag gegeben, welche den Einfluss von Informationstechnologien auf die Umwelt untersuchen sollte. Das Ergebnis – veröffentlicht unter dem Namen „The future impact of ICTs on environmental sustainability“ war schon damals eindeutig: nur ein strategisch weitsichtiger Einsatz von Informationstechnologien würde auch nachhaltig eine positive Wirkung entfalten.

Doch Digitalisierung und Transformation haben deutlich mehr Auswirkungen, als vor sechzehn Jahren erwartet wurden: die ökonomischen und ökologischen Veränderungen wirken auch tief in unsere Gesellschaft, wo sie nicht immer nur auf Zuspruch stoßen. Ressourcen-Optimierung und Effizienz-Steigerung sind nicht mit Nachhaltigkeit gleichzusetzen.

 

Die Corona-Krise: digitaler Schleudersitz ohne Gurt

Das Buch "Sustainability in a Digital World", geschrieben von Thomas Osburg und Christiane Lohrman, beschreibt auf sehr verständliche Weise, welche Auswirkungen die digitale Revolution auf unsere (soziale) Zukunft haben könnte. Eines der Vorworte beinhaltet Folgendes (frei übersetzt):

"Wir stehen erst am Anfang des Lernens, geschweige denn des Verstehens, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Umwelt, auf Arbeitsplätze und auf die Bildung haben wird, um nur einige Schlüsselbereiche zu nennen. In Verbindung mit der fortschreitenden Globalisierung und den immensen wirtschaftlichen Herausforderungen müssen wir Lösungen finden, die es uns ermöglichen, nicht nur den Planeten, auf dem wir leben, sondern auch die Gesellschaften, in denen wir leben, zu erhalten."

Die Tatsache, dass (globale) Krisen - wie die jetzige - alle Bereiche dieser Herausforderungen erheblich beschleunigen, bietet uns daher neben vielen Chancen auch einige Risiken. Diese Risiken lassen sich minimieren, wenn sich vor allem diejenigen, die den technologischen und kulturellen Wandel begleiten, ihrer Verantwortung bewusst sind.

Zu empfehlen ist hier ein Video des German Advisory Council über den globalen Wandel.

 

Die Kernbegriffe nachhaltiger Digitalisierung und Innovation

Um den Bezug zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit herzustellen, sind insbesondere folgende vier Begriffe relevant, denen wir uns stellen sollten:

  1. Rebound-Effekt: dieser Effekt beschreibt, wie vermeintlich nachhaltige Effizienz-Zugewinne durch falsches oder unwissentliches Verhalten eher zu einem höheren und unbemerkten Ressourcenverbrauch führen. Der Begriff lässt sich allerdings inzwischen auch auf gesellschaftliche Bereiche übertragen - das Verhindern solcher „sozialer" Rebound-Effekte stellt damit eine Herausforderung dar.
  2. Induktionseffekt: Der Induktionseffekt beschreibt, wie durch die Entwicklung neuer Technologien und damit Nutzungsoptionen wiederum neue, ergänzende Konsum-Optionen hinzukommen, welche so die gewünschte Nachhaltigkeit vermindern.
  3. Digitale Inklusion: Neben Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit rückt insbesondere der Begriff der “digitalen Inklusion“ mit in den Vordergrund. Die Bildungswerkstatt der Bundeszentrale für politische Bildung spricht hier von "der Inklusion MIT digitalen Medien sowie von der Inklusion IN die digitale Gesellschaft". 
  4. Digitale Suffizienz: Das Prinzip der (digitalen) Suffizienz bedeutet: "soviel wie möglich, so viel wie nötig" - und kann so den Rebound- und Induktionseffekten entgegenwirken. Während Digitalisierung darauf ausgerichtet ist, Effizienz zu steigern und Innovationen zu fördern, soll und muss darauf geachtet werden, dass mögliche und unbemerkte Nebenwirkungen weitestgehend eingeplant werden. 

Es stellt sich die Frage: Wird der beschleunigte Wandel aufgrund der bestehenden Krise unserer Gesellschaft zu viel abverlangt, oder müssen diejenigen, die den Wandel vorantreiben, hier mehr Verantwortung übernehmen?

Die Entwicklung der gegenwärtigen Technologien beschleunigt sich bereits jetzt ziemlich ungebremst, während in Zukunft neue Technologien bereits darauf warten, eingesetzt zu werden. Tatsache ist: Es wäre nicht zu zeitaufwendig, bei strategischen, konzeptionellen oder kreativen Aufgaben mehr Weitsicht walten zu lassen. Es gibt Werkzeuge, Methoden und Ansätze - wir müssen sie nur regelmäßiger anwenden.

 

Gedanken zu einer nachhaltigen Umsetzung digitaler Projekte

Wie können also diejenigen, die diese Entwicklung gestalten, im Alltag Verantwortung übernehmen? Während wir Geschäftsmodelle entwerfen, digitale Konzepte für den Konsum definieren, Dienste, Anwendungen und Fertigkeiten entwickeln und die Technologien dahinter programmieren - können wir uns verbessern? Ich denke, es gibt mehrere Optionen für nachhaltigere Veränderungen, selbst in kleinem Maßstab.

Unsere bestehenden Methoden zur Entwicklung von Innovationen sind bereits sehr gut dafür geeignet. Wir müssen nur noch die relevanten Fragen zur Nachhaltigkeit hinzufügen und schließlich verantwortungsvollere Entscheidungen treffen. Selbst wenn wir nur einzelne, digitale Dienste und Produkte entwickeln, können wir bereits heute verschiedene Bereiche von Umwelt und Gesellschaft beeinflussen. Neue Arbeitsprozesse werden dazu führen, dass die Menschen um uns herum anders ausgebildet werden müssen. Neue Geschäftsmodelle verändern den Energieverbrauch der Nutzer, wir müssen mehr über Privatsphäre, Ethik und Verantwortung lernen und die Konsequenzen unseres Handelns verstehen.

Dabei sollten wir nicht nur an die künftigen Zielgruppen denken, sondern auch an professionelle Nutzer*innen, Angestellte und Mitarbeiter*innen. Um nur einige Beispiele und Möglichkeiten zu nennen, wie dies im Projektalltag geschehen kann:

  • Einbeziehung von Fragen der Nachhaltigkeit in die Entwicklung von Digital- und Transformationsstrategien. Nutzen wir das "Sustainable Business Model Canvas or the Sustainability Impact Canvas" oder das "Sustainability Impact Canvas" - er fügt relevante Faktoren wie öko-soziale Kosten oder öko-soziale Vorteile zum bekannten Business Model Canvas hinzu (siehe unten).
  • Wir sollten immer relevante Kommunikationsstrategien sowohl für interne als auch für externe Interessengruppen in Betracht ziehen, um sicherzustellen, dass sich alle Beteiligten in allen Phasen wirklich sicher fühlen, um Sorgen abzubauen und Fragen im Hinblick auf die neue Veränderung beantworten zu können. Wir müssen den Menschen alle Entscheidungen erklären, sie zu einem Teil davon machen. Viele Menschen fürchten große Veränderungen.
  • Neben der Kommunikation sind auch die Weiterentwicklung, der Ausbau und die Entwicklung von Wissen und Fähigkeiten wichtig, um Mitarbeiter*innen durch den Wandel zu begleiten.
  • Natürlich wollen wir Innovation oder Transformation nicht bremsen - nur so haben wir Menschen uns bisher entwickelt. Aber um nicht die Kontrolle darüber zu verlieren, was mit unserer Umwelt und Gesellschaft geschieht, muss die Wahl der Technologien, die wir einsetzen, immer gut durchdacht sein und kritisch hinterfragt werden. "Green IT" ist ein spannendes Feld!
  • Wenn Sie Methoden wie Innovationslabore, Werkstattmodelle oder andere Methoden des Dienstleistungsdesigns anwenden, sollten wir jemanden einbeziehen, die oder der ein Auge auf die genannten Nachhaltigkeitsfragen hat. In allen Bereichen der digitalen Wirtschaft finden wir bereits heute Mitarbeiter*innen, die mit den nachhaltigen Möglichkeiten ihrer Aufgaben vertraut sind. Es ist wichtig, sie zu ermutigen und von ihnen zu lernen, um ihre Ansätze zu skalieren.
  • Achten wir bei der Produkt- oder Dienstleistungsgestaltung auf die Anwendung nachhaltiger Praktiken, wie z.B. nachhaltige Gestaltungsmethoden.

Vielleicht gibt es noch viele weitere oder sogar noch viel bessere Ideen hinzuzufügen.

 

Schließlich: einige Leitprinzipien für nachhaltige Arbeit

Wie bereits erwähnt, formen Innovation, Wandel und Transformation die Welt, in der wir leben, um - die folgenden Prinzipien sind natürlich nur Vorschläge, aber vielleicht der erste Schritt für eine unvoreingenommene Diskussion:

  1. Wir betrachten die Gesamtfolgen der digitalen Strategien, Produkte und Dienstleistungen, die wir entwickeln.
  2. Wir berücksichtigen die Konsequenzen für alle beteiligten Menschen.
  3. Wir achten darauf, gute Handlungsoptionen, persönliche Entwicklung und neue Möglichkeiten zu fördern.
  4. Wir berücksichtigen die Notwendigkeit von Inklusion, Gleichbehandlung und Gleichberechtigung.
  5. Wir berücksichtigen die Folgen für die Umwelt und den Energieverbrauch.
  6. Wir planen ressourcenorientiert, nachhaltig und denken mit ergänzenden Kompensationskonzepten.
  7. Wir nutzen unser technologisches Potenzial gewissenhaft.

Kontaktieren Sie uns bei Fragen zu unserer verantwortungsvollen Arbeit bei IBM iX / Aperto.

 

Dominik Multhaupt ist Senior Director Digital Strategy & Business Design bei Aperto, dem IBM iX-Studio in Berlin. In Zusammenarbeit mit den Projektteams ist seine Aufgabe die Entwicklung strategischer Maßnahmen sowie die strategische Unterstützung im agilen Servicedesign. Seit 2016 arbeitet Dominik hauptsächlich mit Kunden und Projekten aus dem öffentlichen Sektor.

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Nicole Ruhl, Marketing & PR
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